|
Antideutsch-kommunistische Initiative |
| Startseite | Texte | Termine | Links | Kontakt |
|
|
Antideutsche Gruppen aus NRW - 15.10.2001 Zum deutschen Antiimperialismus Am 11. September haben islamistische Selbstmordattentäter
in Washington und New York voll besetzte Passagierflugzeuge in das World Trade
Center und das Pentagon gelenkt. Ihre Ziele: Die Vernichtung von möglichst
vielen US-BürgerInnen und die Zerstörung von "Symbolen des US-Amerikanischen
Raubtierkapitalismus".
Weltweit herrschte absolute Fassungslosigkeit. So auch in Deutschland. Hier schienen die nun folgenden Reaktionen widersprüchlich zu sein. Große Teile der deutschen Bevölkerung und ihre politischen Exponenten reihten sich zunächst reflexartig unter dem Motto "Wir sind alle Amerikaner" in die Gruppe der Opfer ein. Während die offziellen Vertreter deutschen Großmachtstrebens die Gelegenheit erkannten, als kontinental-europäische ‘leading nation' die eigenen Handlungsspielräume nun weltweit ebenso wie innenpolitisch zu erweitern, war für den Volksgenossen von nebenan die Beschwörung der Gefahr allgegenwärtigen Terrors und der eines Weltkrieges, ausgelöst durch eine mögliche US-Amerikanische Reaktion, wie der "Kampf gegen die Atommafia" und den drohenden "Strahlentod" der Wunsch nach dem permanentem Ausnahmezustand und vollständiger gesellschaftlicher Mobilisierung gegen vermeintliche äussere und innere Feinde. Dieser typisch deutsche Reflex hat nichts mit Empathie oder einer realen Bedrohung zu tun, sondern drückt den Wunsch aus, endlich einmal unschuldiges Opfer zu sein und berechtigt zurückschlagen zu dürfen. Mittels der Identifizierung mit den USA wird einerseits die Militarisierung Deutschlands als mit den USA konkurrierende europäische Großmacht forciert, die gerade über das Anbiedern im Afghanistan-Krieg erreicht werden könnte, gleichzeitig wird über den Status als mögliches Terroropfer der innere Sicherheitsdiskurs und das rassistische Ressentiment gegen Nichtdeutsche bedient. Das Changieren zwischen antisemitschem Antiamerikanismus und rassistischem Ressentiment gegenüber Muslimen bietet Deutschland die Möglichkeit, aus der Situation nach dem 11. September die äußere und innere Formierung in bislang nicht vorstellbarem Maße zu forcieren. Gelang es zunächst, den Wunsch Opfer zu sein, durch die Identifizierung mit den Amerikanern zu befriedigen, verloren diese ihre Unschuld mit der Ankündigung militärischer Gegenmaßnahmen. Den Amerikanern wird die Rolle der Täter zugewiesen und die deutsche Solidarität findet zu den (durch die "weltweite Vorherrschaft" der USA) unterdrückten Völkern zurück. So wird der in Deutschland immer schon latent vorhandene Anti-Amerikanismus zentrales Motiv des deutschen Selbstgesprächs. Die Forderung an die USA nach besonnenem Handeln meint nicht weniger als die Verkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses. Den angegriffenen USA wird vorgehalten, einen Krieg beginnen zu wollen, der ihnen selbst spätestens mit dem Massaker in New York erklärt wurde. Damit ist nun auch die gesamte Bevölkerung dort angekommen, wo die deutschen Antiimperialisten aller politischen Lager von Anfang an standen. Diese hatten sich nie in die Vorstellung verirrt, daß Amerikaner Opfer sein könnten. Es schienen Junge Welt und Horst Mahler, Friedensbewegung und NPD um die widerlichsten Versatzstücke antiimperialistischer Geistesverwirrung zu wetteifern. In Antifa-Kreisen kursierte zu einer Zeit, als noch nach Überlebenden in den Ruinen des WTC gesucht wurde, ein Flugblatt mit der Schlußparole "Gegen die Kriegshetze von Politik und Medien! Schluß mit der US- und Nato-Kriegspolitik!". Wohl ahnend, daß der eine oder die andere sich dieses widerliche Pamphlet genauer durchlesen und beanstanden könnte, wurde es nur "dokumentiert", damit jenen auch bestimmt keine(r) nachweisen konnte, daß sich als Antifa-Gruppe sehr bequem auch Positionen vertreten lassen, die von einem NPD-Landesvorstand stammen könnten. So lautet es denn auch im Flugblatt: "Den USA und der Nato geht es um die weltweite Vorherrschaft - militärisch, politisch und wirtschaftlich. Ein Vergeltungsschlag soll dies nur zementieren. Für die große Mehrheit der Weltbevölkerung bedeutet diese Vorherrschaft ein Leben in Elend und hunderttausendfach den Tod durch Hunger und Krankheit - das wird durch die Herrschenden bewusst in Kauf genommen. Dieses Elend ist die Ursache für Anschläge wie in den USA. Ohne weltweite Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden." Soll man den Multiplikatoren dieser Zeilen freundlicherweise zugestehen, daß sie nicht wissen, was da geschrieben steht? Die Ursache für das offen bekundete Verständnis für die Mordtaten ist so einfach wie katastrophal: Selbstmordattentäter wie ihre Apologeten folgen derselben antiimperialistischen Logik! Der Kapitalismus wird halluziniert als ein Interessengegensatz zwischen den "Herrschenden" und den "Ausgebeuteten". Das Leid der "unterdrückten Völker" wird in ihrem Wahn nur durch das Handeln einer genau bestimmbaren Personengruppe, seien es "die USA", die "imperialistischen Staaten", die "Bonzen", die "internationale Hochfinanz" oder ganz aktuell die "Wall Street", hervorgerufen. Die Ursache des Elends, das die kapitalistische Vergesellschaftung stetig produziert, wird personalisiert. Dieser Mechanismus ist Kern antisemitischen Wahns. Die durch die Zurichtung zur "lebendigen Ware" im Zustand permanenter Konkurrenz erzeugte und von allen erahnte Gefahr der vollständigen sozialen Überflüssigkeit, mithin die eigene prekäre Situation, verlangt nach der Beseitigung ihrer Ursache. Anstatt aber gegen die ursächliche repressive Vergleichung als Warensubjekte, ihre Instanzen Staat und Kapital vorzugehen, ist das Ziel der Antisemiten die Gleichheit der Elenden. Der Gleichheit der in ihrem Subjektstatus bedrohten, auf die Funktion als Warenbesitzer reduzierten Individuen, setzen sie die Gleichheit der Volksgenossen, die im Schutzraum Volk die ultimative Sicherheit vor der Prekärwerdung suchen, aber nie finden können, entgegen. Sie suchen ihr Glück in der Verfolgung derer, die sie als Zersetzer des Volkskörpers halluzinieren. Dieser Wahn läßt für die "Lösung" ihrer Probleme in letzter Konsequenz nur den einen Schluß zu: Die Schuldigen müssen vernichtet werden. Dieses Motiv ist Movens aller Antiimperialisten, so auch der Antiglobalisierungsbewegung, der endlich wahr gewordenen Querfront, die im Namen des Volkes das "internationale Finanzkapital" mindestens auf das Gemeinwohl verpflichten will und jetzt mit dem Rest der Antiimperialisten in der Friedensbewegung fusioniert. Die deutsche Bewegungslinke, die hier ihre Chance auf ein Betätigungsfeld wittert, ist nicht in der Lage, die Identität der folgende Äußerungen ihrer Erzfeinde, der Nazis, mit den von ihnen verbreiteten, zu bemerken: "Der NPD-Landesvorstand bedauert die zahlreichen Opfer dieser kriegerischen Auseinandersetzung in den USA.. Kein Bedauern jedoch allerdings haben wir für die amerikanischen Drahtzieher der US-imperialistischen Unterdrückung in aller Welt" (Stellungnahme des NPD-Landesvorstandes Schleswig-Holstein) So wie die Nazis kaum bemüht sind, ihre eigentliche Schlagrichtung zu verheimlichen wenn sie über den "’One-Worldimperialismus’ der USA und ihrer Hintermänner in der internationalen Hochfinanz" reden, so gehen auch die Autoren des linken Antikriegsflugblattes denkbar offen zu Werke wenn sie schon in der vierten Zeile über die "blutige Besatzungspolitik" Israels schwadronieren. Hier tritt zu Tage, was Antiimperialismus aller politischer Lager schon immer bedeutete: Antisemitismus, nach 1945 zumeist als Antizionismus formuliert. Das wahrhaft künstliche Gebilde Israel und dessen Schutzmacht USA, die mit ihrem Entwurf der vollendeten bürgerlichen Gesellschaft Stachel im Fleisch aller per se regressiv gesinnten Volksgenossen weltweit sind, sind das letztendliche Ziel aller antisemitischer Vernichtungswünsche. Wer diesen Zusammenhang nicht reflektiert und nichts Besseres zu wissen scheint, als die USA anzugreifen, ist nicht in der Lage, den Antisemitismus als dialektische Wendung bürgerlicher Vergesellschaftung zu kritisieren und Emanzipation auch nur zu denken. Eine Linke, die vom "Selbstbestimmungsrecht der Völker" faselt, dem Kampf gegen den "US-Imperialismus" etwas abgewinnen kann und sich damit unfähig erweist, den Antisemitismus zu erkennen und zu bekämpfen, hat ihre historische Berechtigung verloren. Antideutsche Gruppe Wuppertal, Antifa Duisburg, Antifa Mülheim/Essen-West, Antipostfa Recklinghausen, Antifaschistische Aktion Dortmund (Texte) (Startseite) |
|
|