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liberté toujours - 24.04.2004
Freies Sender Kombinat
Redebeitrag auf der Demonstration "Flagge zeigen: Für Israel!"

Wir stehen hier vor dem FSK, dem Freien Sender Kombinat. Seine Selbstdefinition lautet: „Das Freie Sender Kombinat ist der noch schwieriger gewordene Konsens von Radio St. Paula, Radio Loretta, Forum Radio, Stadtteilradio und Uni Radio. Als nicht-kommerzielles, werbefreies Projekt finanziert sich FSK ausschließlich aus Beiträgen von Fördermitgliedern und Spenden.“

Die Freien Radios beanspruchen für sich wie alle linken Medien, deren typischstes Beispiel indymedia ist, Gegeninformation zu machen, d.h. unterdrückte Nachrichten zu senden, um eine „Gegenöffentlichkeit zu schaffen, indem die Menschen an der gesellschaftlichen Basis DIREKT zu Wort kommen“.

Bei solchen Unterdrückungsvorstellungen schwingt prinzipiell schon die Vorstellung mit von interessegeleiteten, wenn nicht sogar manipulierten Medien, deshalb wird mit Vehemenz immer wieder die eigene finanzielle und staatliche Unabhängigkeit betont. Bei diversen linken Projekten wie taz, Jungle World oder konkret kann man jedoch beobachten, wie weit es mit solch idealistischem Streben tatsächlich bestellt ist: es führt immer nur zu quengelnden Bettelbriefen und einer noch viel größeren Abhängigkeit vom Klientel. Aus Angst vor dem Ausschluß aus der linken Familie hat es sich keine Teil-Redaktion des FSK zur Aufgabe gemacht, die in den deutschen Medien wirklich unterdrückten Nachrichten zu senden, wie die über den antisemitischen palästinensischen Terror. Die deutsche selektive Berichterstattung über den Nahost-Konflikt geschieht schlicht und ergreifend aus einem deutschlanddurchdringenden Einverständnis heraus, das weder die deutschen Linken noch die Mehrheit der arabischen Migranten ausschließt. Die Linken beharren dagegen auf einer Weltsicht, die über 1918 nie herausgekommen ist, und schreiben Unterdrückung von Nachrichten einzig politischen und wirtschaftlichen, wohlkalkulierten Gründen zu. Alle zusammen sammeln für den sogenannten irakischen Widerstand und mögen deshalb andere, wie die Hamburger Studien Bibliothek nicht, weil diese für die IDF spenden würden, wenn sie Geld hätten. Der FSK sendet stundenlang über die Bauwagenburg Bambule, die sich einbilden den Hamburger Senat gestürzt zu haben, läßt den Verschwörungstheoretiker und von-Bülow-Fan Thomas Steinberg auf Sendung gehen, und verbietet Bad Weather, Palituchträger zu kritisieren.

Die Vorstellung, daß alle Linken ungefiltert zu Wort kommen dürfen, ist grausam. Beim FSK führt das zu regelmäßig ausbrechenden Antisemitismus-Streitigkeiten. Dabei grenzen sich manche Teile der FSK zwar von der „Möllemannisierung“ des Senders ab, ohne aber einsehen zu können, daß die linken deutschen Medien nichts anderes ausstrahlen als Volkes Stimme. Die jährlichen Antisemitismus-Streitigkeiten enden in der Regel damit, daß die vernünftigen Leute das Weite suchen. Die weniger vernünftigen Kritiker perpetuieren sie ins Unendliche, indem sie in zahlreichen Sendungen immer wieder über den als antisemitisch kritisierten Vorfall reden, und zwar mit den Antisemiten, die meistens dem Forum-Radio, einem Teil des FSK, entstammen. Man scheint einen immer schwieriger werdenden Konsens darüber gefunden zu haben, daß man keine antisemitischen Sendungen verbreiten will. Welche im Einzelfall aber als solche zu benennen sind, darüber scheint die Konsensfindung ausgeschlossen zu sein. Der obszöne linke Pluralismus sorgt dafür, daß unter dem Schein der Kritik die Mikrofone immer wieder für die antisemitische Propaganda aufgemacht werden.

Die Wiederkehr des Immergleichen beim FSK verstärkt den Eindruck, daß es manchen der Antisemitismus-Kritiker nicht anders geht als der Hausfrau, die in der Putzwut dem Schmutz nahe sein darf. Windelweiche Papiere, wie es z.B. der Salon Rouge, ein Teil der Hochschul-Sendegruppe, herausgegeben hat, ermutigen offensichtlich auch die Antiimperialisten und Antizionisten, immer wiederzukehren. Wie soll es sich trotz aller Antisemitismus- Streitigkeiten auch rumsprechen, daß Sendungen nicht erwünscht sind, in denen Sharon mit Hitler und der palästinensische Selbstmord-Terror mit den Anschlägen der Juden im Warschauer Ghetto verglichen werden, wenn derselbe Salon Rouge bald darauf Plakate des Bündnis gegen IG-Farben Berlin abreißt? Pluralismus funktioniert eben nur, wenn man eine Position ausschließt: diejenige, die die Wahrheit beansprucht. Über verschiedene „Sichtweisen des Nahostkonflikts“ kann man reden, aber den Judenhass der Palästinenser zu benennen sprengt den „innerlinken Minimalkonsens“, der doch nur so mühevoll hergestellt werden konnte. Was ihn nicht sprengt, ist die Bezeichnung der Selbstmordattentate als Widerstand, denn das gehört zu so einem linken Konsens, daß der Kampf von irgendwie Unterdrückten jedes Mittel legitimiert. Die italienische Linke ruft infolgedessen „Boykottiert Israel“, die türkische sprengt McDonalds und andere Cafés in die Luft. Auch dies ist ein deutscher und europäischer Konsens: daß Israel für Imperialismus und Unterdrückung steht.

Es ist nicht weiter erstaunlich, daß die Kritiker der antisemitischen Sendungen regelmäßig an den demokratischen Strukturen des Freien Radios scheitern, denn neben dem Minimalkonsens gilt: die Geschäftsordnung ist alles, der Inhalt nichts. Diejenigen aber, die das ungute Gefühl haben, daß die Gespräche mit den Antisemiten nicht wirklich was bringen, sollten diese Erfahrung zur Erkenntnis werden lassen und sich von der Linken, die nun einmal antisemitisch ist, verabschieden, aus ihrem Wissen darüber die Konsequenzen ziehen. Sie machen sich sonst zu denen, die antisemitische Positionen tolerieren, denen das Kollektiv doch wichtiger ist als ihr Dissens, und die, wenn sie sich weigern, die notwendige Entscheidung zu treffen, in ihrem Leben keinen vernünftigen Gedanken mehr fassen werden.

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