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Antideutsch-kommunistische Initiative |
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Clemens Nachtmann - 24.04.2004 „Befreien Sie Ihr Land“ Redebeitrag auf der Demonstration "Flagge zeigen: Für Israel!" Einem guten materialistischen Brauch zufolge setzt jede Position, d.h. die Bestimmung dessen, was man will und propagiert, die Durchdringung dessen voraus, was man ablehnt und bekämpft. Das Motto dieser Demonstration „Für Israel“, die Parteinahme für den Staat Israel, ist in dieser Perspektive die äußerste Zuspitzung und logische Konsequenz der Kritik der politischen Ökonomie, d.h. der Kritik an einem staatlich garantierten Produktionsverhältnis, das seinen eigenen unheilbaren Krisencharakter im Antisemitismus abspalten und in der Vernichtung der Juden exorzieren muß, wie es die Deutschen – und eben nicht nur die Deutschen, sondern sie zusammen im Bündnis etwa mit der bosnischen SS-Freiwilligenbrigade, dem Mufti von Jerusalem und den faschistischen Moslembrüdern – 33–45 exemplarisch betrieben haben. Diese Parteinahme für Israel folgt aus der Anstrengung des Begriffs, ist also keine willkürliche „Identifikation“ oder „Verklärung“ Israels, wie uns ausgerechnet die Linken vorzuwerfen belieben. Daß es Linke sind, die diesen Vorwurf erheben, ist aber wiederum kein Zufall, denn als ausgebuffte Politikaster können sie sich Erkenntnis gar nicht mehr anders vorstellen denn als blinde Projektion, Parteinahme gar nicht mehr anders denn als blanke Idealisierung – wie sie überhaupt außerstande sind, frei zu denken und zu handeln, solange sie kein selbst imaginiertes Vaterland als Rückendeckung haben. Diese Linke – nicht nur die ortsansässige, wie sie sich im Schanzenviertel in einer auch für deutsche Verhältnisse beeindruckenden Verwahrlosung präsentiert; (nicht nur die deutsche, sondern die gesamte europäische) – diese Linke ist deutsch bis in die Knochen , weil sie in ihrem Agieren besonders in den letzten 40 Jahren den konstanten Grundzug, der die deutsche Variante kapitalistischer Vergesellschaftung auszeichnet, exemplarisch verkörpert: den Antiimperialismus nämlich, dessen Grundmuster das der verfolgten und deswegen zur Verfolgung ermächtigte Unschuld ist. Es ist die Linke, an erster Stelle die sogenannte 68er, die, anstatt mit dem deutschen Opferwahn zu brechen, sich selbst als Opferbewegung konstituiert hat, denn als Opfer haben die Linken sich immer begriffen: Opfer des Kapitals, der Isolationsfolter, des Imperialismus, der Männer oder der Frauen, der Supermächte oder der Umweltverschmutzung. Noch vor allem besonderen Inhalt, der bei Linken nie eine große Rolle spielte, agierten sie immer schon der Form nach als deutsche Antiimperialisten. Daß sie mittlerweile auch inhaltlich ihre Teilhabe am Vernichtungszusammenhang der Deutschen selbstbewußt bezeugen, haben die Linken in ihren Reaktionen auf den Massenmord von Manhattan ebenso hinlänglich unter Beweis gestellt wie in ihrem Eintreten dafür, daß einer der größten Sponsoren des palästinensischen Terrors Staatschef des Irak bleiben dürfe – aber da waren, Bush sei Dank, die US-Truppen und ihre Verbündeten vor. Diese Demonstration ist also eines bestimmt nicht und kann es logischerweise auch gar nicht sein: links. Vielmehr ist es ihr erklärter Zweck, die Linke zu delegitimieren und deren Schmach noch schmachvoller zu machen, indem sie ihr das Bewußtsein der Schmach hinzufügt. Die heutige Demonstration, auf der wir unsere Parteinahme für Israel unter anderem kurz und bündig durch das Zeigen der Israel-Fahne bekunden, ist keine linke, sondern eine antideutsche; aber auch die Bestimmung dessen, was antideutsch ist, ist nicht voraussetzungslos und bedarf der Präzisierung und Abgrenzung – und zwar gegen diejenigen, die sich diese Bezeichnung nur angemaßt haben, ohne wirklich die Konsequenzen zu ziehen, die in antideutscher Kritik notwendig beschlossen liegen. Die Demonstration richtet sich daher auch gegen jenen antideutschen Linksradikalismus, wie er nicht zufällig Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre in Hamburg rund um die heutzutage völlig heruntergewirtschaftete konkret und die sogenannte „Radikale Linke“ seinen Ausgangspunkt nahm und wie er von namhaften Hamburger Platzhirschen und -innen maßgeblich geprägt wurde. An diesem antideutschen Linksradikalismus war nicht falsch, daß er antideutsch, sondern daß er linksradikal war und dadurch die Kritik dessen, was mit recht deutsch genannt werden kann, auf einen ordinären Antiimperialismus gegen Deutschland, auf selbstanklägerisches Bekennertum herunterwirtschaftete. In der moralischen Emphase, mit der fortwährend auf der „Singularität“ von Auschwitz insistiert wurde; im Polit-Kitsch, der um den Tod, der ein Meister aus Deutschland sei, veranstaltet wurde; in der Zirkularität, mit der immer neue und immer langweiligere Studien über den europäischen Antisemitismus auf den Markt geworfen wurden, war immer schon Verweigerung gegen die Erkenntnis beschlossen, daß der Nationalsozialismus keine bloß innergesellschaftliche, auf Deutschland bezogene, sondern eine internationale Bewegung war, der unter deutscher Führung die jungen, erwachenden Völker des Balkans und des Nahen Ostens im Kampf gegen die Juden und Plutokraten versammelte. Vom Antisemitismus sollte also schweigen, wer vom Antizionismus nicht reden mag und über Hitler und die Nazis sollte besser den Mund halten, wer vom Mufti von Jerusalem und den Moslembrüdern, den Islamnazis, nicht reden mag. Die Tat Auschwitz war singulär, nicht aber die spezifische gesellschaftliche Konstellation, der sie sich verdankt, die vielleicht zuerst in Deutschland sich herausbildete, aber sehr bald für all diejenigen Attraktivität gewann, die sich vom Imperialismus geknechtet, ausgebeutet und übers Ohr gehauen fühlen. Es sind dies dieselben Kollektive, zu denen nicht mehr nur Deutschland, sondern das ganze alte Europa die herzlichsten Beziehungen unterhält. Was deutsch ist, ist keine positiv bestimmbare, ausschließlich in Deutschland anzutreffende Eigenschaft, sondern eine verallgemeinerbare polit-ökonomische Konstellation und deshalb umfaßt „antideutsch“ heute notwendig und selbstverständlich auch die Gegnerschaft zu old europe und zum militanten Islam, weltweit und vor der eigenen Haustür. Antideutsch heißt auch anti-europäisch und anti-islamistisch. Die heutige Demonstration richtet sich des weiteren gegen die spezifische bundesdeutsche Vergangenheitsbewältigung, wie sie sich mit geballter Wucht seit Beginn der 80er Jahre herausgebildet hatte. Worauf deutsche Schuldbekenntnisse hinauslaufen, das wußte Horkheimer schon 1959, als von Aufarbeitung im großen Stil noch gar nicht die Rede sein konnte: „Immer wieder zu formulieren: das Schuldbekenntnis der Deutschen (...) war ein famoses Verfahren, das völkische Gemeinschaftsempfinden in die Nachkriegsperiode hinüberzuretten. Das wir zu bewahren war die Hauptsache (...) Das Schuldbekenntnis hieß vielmehr, ,wir‘ und die Nazis gehören zusammen, der Krieg ist verloren, ,wir‘ müssen Abbitte tun, sonst kommen wir nicht rasch genug wieder hoch. Erst wenn die Sieger Konsequenzen ziehen wollten, griff man zur unverschämten Lüge und behauptete das Gegenteil der Schuld, ,wir‘ haben davon nichts gewusst (...) Selbst noch das ,Ich‘ stand für das ,Wir‘. Ich war kein Nazi, im Grund waren wir’s alle nicht. Das Wir ist die Brücke, das Schlechte, das den Nazismus möglich machte.“ An der deutschen Vergangenheitsbewältigung, der Aufarbeitung der Vergangenheit, am kollektiven Volkstrauern wegen Auschwitz ist nichts, rein gar nichts zu beerben, sondern es ist als solches und erst recht in seinen Konsequenzen zu bekämpfen. Aufarbeitung der Vergangenheit bedeutet zu keiner Zeit historisches Eingedenken oder Einsicht in das, was den Nazismus möglich machte – wie hätte sie das auch sein sollen, hieße doch solche ungeschmälerte Einsicht nichts anderes als die sofortige, bedingungs- und ersatzlose Auflösung Deutschlands – nach wie vor das, was antideutsche Kommunisten an erster Stelle zu fordern haben. Auschwitz und die Judenvernichtung war den Deutschen nie etwas anderes als das Material, um sich als Deutsche in Szene zu setzen. Keiner leidet unter den von Deutschen begangenen Verbrechen so sehr wie eben die Deutschen und deshalb haben gerade sie Anspruche auf Zuwendung – das war schon immer der Kern deutscher Vergangenheitsbewältigung und die Rehabilitierung Deutschlands ihr Zweck. Wie immer deckten auch hier die höchsten Ideale die niedersten Regungen; in der Indifferenz und Selbstbezüglichkeit des ganzen Unternehmens sprach sich schon immer das Ansinnen aus, unter Verweis auf die eigenen Spitzenleistungen in puncto Trauerarbeit, auf die eigene Läuterung wieder politische Ansprüche anmelden zu können und als moralisch makellose Nation diejenigen zur Ordnung zu rufen, die nicht so penibel aufgearbeitet haben wie die Deutschen, sondern immer noch am Nationalstaat festhalten und sich friedlicher Lösungen verweigern – wie etwa Israel und die USA. Im moralischen Größenwahn war immer schon der Anspruch enthalten, das moralische und politische Protektorat über diejenigen auszuüben, die sich den von Deutschen definierten „Lehren aus der Geschichte“ verweigern. Ein logischer wie praktischer Endpunkt der Vergangenheitsbewältigung wäre erst dann erreicht, wenn deutsche oder europäische Truppen unter Anwendung von Waffengewalt den uneinsichtigen, verstockten Juden praktische Lektion in Friedenspolitik erteilen; das ist die Quintessenz des „Lernens aus der Geschichte“: Judenfeindschaft mit erstklassiger Begründung, moralischer Antisemitismus (Geisel). Der Feldzug gegen Serbien war in dieser Perspektive eine Übung dafür, was Israel noch bevorstehen könnte. Zuletzt ist unsere Parteinahme für Israel eine kommunistische und deshalb bedingungslose – und auch diese Bestimmung bedarf der Explikation. Unsere Parteinahme muß schon deshalb bedingungslos sein, weil es Kommunisten waren, die, statt, als es noch Zeit war, die von der bürgerlichen Gesellschaft aufgemachte Judenfrage als Antisemitenfrage zu denunzieren, aus dem Antisemitismus auch noch politisches Kapital schlagen wollten. Angesichts dieses epochalen Versagens ist es die selbstverständliche Aufgabe von Leuten, die sich im Ernst noch Kommunisten nennen, den Juden, die sich einen eigenen Staat gegeben haben, um sich nicht mehr auf andere verlassen zu müssen, von denen sie verlassen werden, wenn’s ernst wird, die sich heute ihrer Haut zu wehren wissen und die zum Glück auf keine gönnerhaften Belehrungen mehr angewiesen sind, auf symbolische und publizistische Art zu unterstützen. Aufgabe antideutscher Kommunisten ist es, als kollektive Kritiker mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Mittel, dem Mittel militanter Aufklärung, dem herrschenden antizionistischen Massenbewußtsein in die Parade zu fahren, bevor es die in seiner Ideologie angelegten Konsequenzen in die Tat umsetzen kann und Israel in ein UNO-Protektorat verwandelt und damit zerstört. Das wäre die kritische und eben darin kommunistische Aufgabe heute. Das mag wenig sein, aber vermutlich war internationale Solidarität nie etwas anderes. Als Ho Chi Minh von einem antiimperialistisch gesonnenen europäischen Journalisten, der wie so viele unter Solidarität wohl nichts anderes verstand als Caritas, gefragt wurde, was denn die europäische Linke für Vietnam tun könne, da entgegnete er trocken: „Befreien Sie Ihr Land!“ Auf Israel bezogen heißt dies für uns: für Verhältnisse zu sorgen, in denen die Antisemitenfrage nicht mehr gestellt werden kann und das ist eine Aufgabe, mit der hier und heute zu beginnen ist. In diesem Sinne: Für Israel, für die israelischen Streitkräfte, für die US-Truppen im Irak – fight and fuck old Europe (and its left)! (Texte) (Startseite) |
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