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Antideutsch-kommunistische Initiative |
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Richard Donahue - Sommer 2001 Antitotalitäre Abwege:Gegen Nazis und Prozionisten Als der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, Esra Cohn, auf der Kundgebung nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge am 3.10.2000 anmerkte, daß man nicht wissen könne, ob es sich um rechte oder linke Täter gehandelt habe, schlug ihm Empörung entgegen. Für die Linken, die zur sofort anberaumten Solidaritätsbekundung herbei eilten, schien Cohn noch in den 80ern befangen: Er habe nämlich offensichtlich noch nicht mitbekommen, daß im Jahr 2000 auch die Antifa aus der Geschichte der Neuen Linken gelernt hat und sich des antisemitischen Gehalts des in Feindschaft gegen Israel sich ausdrückenden Antizionismus durchaus bewußt ist - so zumindest der Tenor im sich anschließenden innerlinken Gespräch. Für die Antifa war klar, daß die Täter Nazis gewesen sein mußten, was angesichts der Umtriebigkeit der Naziszene in Düsseldorf durchaus nicht unwahrscheinlich war. Hätte sich die Antifa-These bestätigt, wäre vermutlich umgehend eine groß angelegte antifaschistische Aktions- und Aufklärungskampagne gegen Nazistrukturen gestartet worden. Nun wurden Anfang Dezember 2000 aber zwei Männer aus Düsseldorf verhaftet, bei denen zwar Hitler-Bilder und Nazi-Propagandamaterial gefunden wurde. Zur Erleichterung der bürgerlichen Öffentlichkeit und Enttäuschung der Antifa handelte es sich bei den Festgenommenen allerdings nicht um deutsche Nazis, sondern um einen Palästinenser und einen Deutschen marokkanischer Herkunft. Zum Verhängnis geworden war ihnen, daß sie einige Tage nach dem Brandanschlag unter den Augen der Polizei inmitten eines antijüdischen Mobs vor einer Synagoge in Essen randalierten. Nach ihrer Festnahme erklärten sie, ihre Taten seien aus Solidarität mit der Al Aqsa-Intifada verübt worden. Jene Linken, die wenige Stunden nach dem Düsseldorfer Synagogenanschlag mit über 600 Leuten zur Demo angerauscht waren, hüllten sich nach der Verhaftung der bekennenden ,,nichtdeutschen" Antisemiten in Schweigen, abgesehen natürlich von den üblichen notorischen Antisemitismuskritikern. Das Selbstverständnis, eine Instanz zum Schutz jüdischer Mitbürger vor deutschen Antisemiten zu sein, wird offensichtlich sofort wieder hinfällig, wenn die Gegner des wehrhaften jüdischen Staates ihren Kampf gegen Israel als einen gegen alle Juden und ihre Einrichtungen auffassen. Zwar weiß man – seit der vermehrten Beschäftigung mit dem Antisemitismus, die eben auch den der Linken einschließt –, daß die Anerkennung des ,,Existenzrechtes Israels" die Eintrittskarte für die Teilnahme am derzeitigen innerlinken Gespräch ist, doch scheint solch eine Positionierung oft nicht Resultat der eigenen theoretischen Anstrengungen, sondern ein bloß auswendig gelerntes Bekenntnis zu sein, welches nicht nur bei Bedarf schnell wieder abzulegen möglich ist, sondern eben auch problemlos in sein Gegenteil verkehrt werden kann. Die empathische Solidarität mit der Intifada' die sich bei Linken im toleranten Schweigen gegenüber palästinensischem Antisemitismus zeigt, reicht bis zur Jugendgerichtshilfe: Im Verfahren bzgl. des Synagogenanschlags attestierte diese nämlich dem angeklagten Palästinenser, ein ,,hilfsbereiter Mensch" zu sein, der von einem ,,starken Gerechtigkeitsempfinden" getrieben worden sei, als er mit seinem Kameraden die Brandsätze gegen die Synagoge warf. Nach Auffassung des Richters Michael Schönauer sei der Angeklagte durch die mediale Berichterstattung über die Gewalt in Nahost ,,erheblich emotionalisiert" worden (SZ, 8.3.2001, S.6). Ähnlich beeinflußt werden anscheinend auch jene Linken, die aus dem Bedürfnis nach Identifikation heraus mit dem Zauberwort der ,,kritischen Solidarität" Anschlußfähigkeit an vermeintlich geschichtsmächtige Befreiungsbewegungen zu demonstrieren wollen. Hierin unterscheiden sich Autonome in nichts von obskuren Gruppen wie beispielsweise der ,,Bolschewik-Gruppe Spartakus“, die in ihrer aktuellen Veröffentlichung (Bolschewik, Mai 2001) zum Thema Israel-Palästina die ständige Suche nach einer emanzipatorischen Substanz in einer zugegebenermaßen etwas angestaubten Terminologie auf den Slogan bringt: "Vom nationalen Volkskrieg zum internationalen Klassenkampf" In die Sprache der autonomen antinationalen Antifalinken würde dieser Slogan wohl als ,,Befreiung von jeder Unterdrückung für Selbstbestimmung“ übersetztwerden und wäre doch nichts anderes als mittelbare Unterstützung der AI Aqsa-Intifada und anti-zionistisches Ressentiment. Gegenüber einem Bündnis mehrerer linker Gruppen, das zu einer Kundgebung am 21.12.00 in Duisburg unter dem Motto ,,Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ aufrief, hielt sich die autonome Linke ähnlich dezent zurück. Die Aktion wurde zwar ob ihres allzu plump antrisraelischen Charakters seitens der Szene nicht für unterstützenswert befunden. Dennoch sprach ein Redner der Kundgebung den gemeinsamen (nicht nur) linken Konsens aus: Pflicht aller Internationalisten und Antirassisten sei es, so hieß es im Redebeitrag des ,,Antifa Komitee Duisburg“, ,,anzusprechen, daß die Politik der israelischen Regierung eine zutiefst inhumane ist.“ Die Intifada sei ,,Ausdruck dessen, daß völlig unschuldige Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden sind, daß diesen Menschen elementare Rechte vorenthalten werden, daß diese Menschen staatlichem Rassismus, Diskriminierung und Unterdrückung, bis hin zu Folter und Mord ausgesetzt sind.“ Da mochte endgültig niemand mehr widersprechen. Unterstützt wurde der Aufruf im übrigen auch von der PDS Duisburg, die allerdings angesichts des offensichtlich antisemitischen Charakters der Aktion von höherer Stelle umgehend zurückgepfiffen wurde. Die Aufrufer ließen nämlich in einem Flugblatt verlautbaren, daß sie darauf vorbereitet seien, ,,wenn irgendwelche Nazis meinen, zur Kundgebung kommen zu müssen“. Dasselbe gelte für ,,Störversuche von Prozionisten.“ Die Warnung an ,,zionistische Provokateure“ blieb allerdings – leider – bloße Halluzination: 30 ,,Antizionisten“ konnten ungestört ihre Kundgebung abhalten. Nicht zufällig reagieren eben solche, die als adäquate Antwort auf die ,,inhumane Politik Israels“ gegen das Projekt eines palästinensischen Nationalstaates nichts einwenden mögen, auf die Forderung nach Solidarität mit Israel – wie während eines proisraelischen Redebeitrags auf der diesjährigen autonomen 1 .Mai-Demo in Wuppertal geschehen – mit ,,Feuer-und-Flamme-für-jeden-Staat“-Gegröle. Die Staatsfeindlichkeit dieser Leute – so offenbart sich – ist v.a. eine gegenüber dem Staat Israel. Womit wir wieder bei Esra Cohn wären, dessen für die Antifa unerhörte Mutmaßung' daß Antizionismus und Antisemitismus linken Ursprungs sein könnten, durchaus nicht antiquiert ist. Richard Donahue Ertsveröffentlichung in: Bahamas Nr.35, Sommer 2001 (Texte) (Startseite) |
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