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Antideutsche Gruppen aus NRW - 02.2004
Antisemitismus bekämpfen!
Solidarität mit Israel!

Aufruf gegen den Naziaufmarsch am 13.03.2004

Am 13.03. wollen Neonazis aus ganz NRW gegen den geplanten Neubau der Bochumer Synagoge aufmarschieren, die in der Reichspogromnacht zerstört worden war. Damals setzten Angehörige von SA und SS unter tatkräftiger Unterstützung der Bochumer Feuerwehr und im Schutz der schweigenden Zustimmung seitens der ortsansässigen „arischen“ Bevölkerung die Synagoge an der Wilhelmstraße (heute Huestraße) in Brand.

Die Nazis als Avantgarde ...

Mit ihrem Motto „Keine neue Synagoge auf Kosten der Steuerzahler“ knüpfen die Neonazis an die nationalsozialistischen Kampagnen gegen „Schädigungen, die dem deutschen Volksvermögen und ungezählten einzelnen Volksgenossen durch jüdische Gauner und Verbrecher zugefügt wurden“ (Bochumer Anzeiger, 11.11.1938), an. In jüngster Zeit traten die den Aufruf gegen den Synagogenbau unterstützenden Gruppen vor allem mit antisemitischen Demonstrationen gegen Israel und die USA auf: In Dortmund demonstrierten Ende März 2003 Angehörige insbesondere des Dortmunder Kameradschaftsspektrums unter dem Motto: „Kein Blut für Israöl!“ gegen das US-Engagement im Irak; im Juni dann mobilisierten Sauerländer Neonazis Gesinnungsgenossen nach Hagen, um eine Veranstaltung mit Paul Spiegel mit der Parole „Der Rassismus ist ein Meister aus Israel“ zu stören.

... einer antisemitischen Internationale ...

Mit ihren Angriffen gegen Symbole jüdischen Lebens und den zionistischen Staat, der erst nach den eliminatorischen Konsequenzen der deutschen Volksgemeinschaft als Bollwerk gegen den Antisemitismus gegründet werden konnte, stehen die deutschen Nationalsozialisten nicht allein: Wenn auch weitgehend von der „antifaschistischen“ Öffentlichkeit – auch in Bochum – ignoriert und totgeschwiegen, gehen die Anschläge auf Synagogen in Europa seit Ausbruch der „Al Aksa-Intifada“ fast ausschließlich auf das Konto von Antisemiten arabischer Herkunft, nicht nur in Frankreich. So handelte es sich bei den Attentätern, die am Vorabend des Tages der deutschen Einheit 2000 die Düsseldorfer Synagoge in Brand setzen wollten und einige Tage später im Rahmen einer propalästinensischen Demonstration die Alte Synagoge in Essen angriffen und stürmen wollten, um glühende Hitler-Verehrer mit jordanischem bzw. marokkanischem Pass. Erst im Dezember vergangenen Jahres wurde Shadi Abdallah als Mitglied der palästinensischen Al Kaida-Splittergruppe Al Tawhid zu einer Haftstrafe verurteilt, weil diese kurz davor stand, im vorvergangenen Jahr Selbstmordanschläge auf das jüdische Museum in Berlin sowie zwei vermeintlich „jüdische“ Gaststätten in Düsseldorf mit dem Ziel „möglichst viele Menschen (zu töten)“ (Rheinische Post, 09.02.04) durchzuführen.

... gegen Israel und die USA

Nicht erst die von der EU in Auftrag gegebene und ob ihrer allzu eindeutigen Ergebnisse unterdrückte Studie Manifestations of anti-Semitism in the European Union (Wien, 03/2003) beweist, dass antiamerikanisches wie antizionistisches Ressentiment im Antisemitismus konvergieren und dass darin traditionelle Rechtsextremisten sowohl mit „linken“ Globalisierungsgegnern als auch Islamisten ideologisch übereinkommen. Spätestens nach den Anschlägen auf das World Trade Center wurde dieser (un)heimliche Konsens deutlich, der – wenn auch in unterschiedlicher Terminologie – Israel und die USA als Emanationen des Bösen begreift. In dieser Vorstellung gilt die jüdische Präsenz im Nahen Osten in der Gestalt Israels als Agentur der USA – sei es als „imperialistischer Brückenkopf“ oder kleiner Bruder des „Großen Satan“ –, die aber ihrerseits angeblich von einer „jüdischen Lobby” regiert werden. Der Al Kaida-Aktivist Rifai Taha formulierte den Wahn, dass die USA die Juden und die Juden die USA sind, in Zusammenhang mit ihrer vermeintlichen Eigenschaft, aus dem Verborgenen mittels hinterhältiger kommerzieller Verführungskünste erdverbundene Muslime schwächen zu wollen, wie folgt: „(Die Amerikaner) können uns mit Alkohol, Schönheitsprodukten, ... der sogenannten Mode überhäufen, nichts wird uns aufhalten. Wer den Luxus geschmeckt hat, hat nicht die Seelenstärke, einen langen, weltweiten Krieg durchzustehen. (...) Amerika unterstützt die Zionisten, sie besetzen unser Land, zwingen unsere Völker zur Emigration. (...) Die Juden diktieren die amerikanischen Entscheidungen.” (nach: Roland Jacquard, München 2001) Im politisch und ökonomisch eigennützigen Handeln der USA findet das antikapitalistische Ressentiment, das die unverstandenen, abstrakten Mechanismen des globalen Kapitalverwertungsprozesses personalisiert, einen Adressaten. Bei der Ikone der Antiglobalisierungsbewegung Arundhati Roy werden in diesem Sinne die Vereinigten Staaten für eine Welt verantwortlich gemacht, „die regiert wird von einer Hand voll gieriger Banker und Unternehmenschefs, die niemand gewählt hat“; ihre „wirtschaftlichen Bestrebungen (fressen) sich gnadenlos wie ein Heuschreckenschwarm durch die Wirtschaft armer Länder.“ Daher, so Roy, könnten die Anschläge vom 11. September auch als Retourkutsche früherer Opfer USamerikanischer Aggressionen verstanden werden – wie die Toten auf palästinensischer Seite im Krieg gegen Israel (vgl. Arundhati Roy in: FAZ, 28.09.01). Wenn auch in solcherart Wahnvorstellungen von „links“ selten das Wort einer explizit jüdischen Urheberschaft der Weltenübel ausgesprochen wird, so ist ihre Geistesverwandtschaft mit den Tiraden eines – in den 70er Jahren durch die Schule des linken Antiimperialismus gegangenen – Horst Mahler unverkennbar: Für diesen sind die USA an den Anschlägen selbst schuld und daher „militärische Angriffe“ nicht nur rechtens, sondern sogar notwendig, um „vasallitische Fremdbeherrschung“ und „mammonistische Weltherrschaft“ zu vernichten.

Die Juden als „Tätervolk“...

Die Projektion von Herrschaft und Ausbeutung auf einen „Weltfeind“ und „Weltparasiten“ (Rote Erde, Bochumer Nationalzeitung, 28.03.1933) hat 60 Jahre nach dem deutschen Ausrottungsfeldzug gegen denselben nicht nur, vor allem aber in Deutschland zu seinen Wurzeln zurückgefunden. Der kollektiven aggressiven Schuldabwehr der Deutschen, in den neunziger Jahren in Form der unsäglichen Goldhagen- und Walserdebatte sowie der Verschleppung der Entschädigungen gegenüber ehemaligen Zwangsarbeitern virulent geworden, haben in jüngerer Zeit Karsli, Möllemann und Hohmann die Stichworte geliefert. Letzterer wurde politisch erledigt nicht hauptsächlich aufgrund seiner klassisch antisemitischen Wahnvorstellungen, sondern durch den „Einwand“, man könne Juden nicht als Tätervolk bezeichnen, weil es überhaupt kein Tätervolk, also auch kein deutsches geben könne.

... in der Gestalt Israels

Gleichzeitig findet eine Dämonisierung des Staates Israels statt, die seitens der politischen Elite, wie übrigens auch innerhalb der Linken, lediglich durch politische Rücksichtnahmen bzw. political correctness begrenzt wird. So ist es nicht verwunderlich, dass 65 Prozent der Deutschen (gegenüber immerhin 59 Prozent der EU-Bürger) laut einer empirischen Untersuchung durch die EU im Herbst vergangenen Jahres Israel vor allen anderen Staaten als „größte Gefahr für den Weltfrieden“ ansehen. Dass seit Ausbruch der „Al Aksa-Intifada“ etwa 650 israelische Zivilisten als Opfer von – dem Selbstverständnis nach antijüdischen – Selbstmordattentaten durch palästinensische „Märtyrer“ geworden sind, verschwindet hinter der Zwangsvorstellung der israelischen Verteidigungsaktionen als „Vernichtungskrieg“ (Friedensforum Duisburg, 12.04.2002).

Antifaschismus heißt Solidarität mit Israel!

Der Zionismus war seit seiner praktischen Umsetzung von einer antijüdischen Einheitsfront von Islamisten, arabischen Nationalisten und auch deutschen Nationalsozialisten bedroht. Nicht zuletzt verdeutlicht die Kollaboration des Mufti von Jerusalem Al Husseini mit den Nazis und sein Einfluss auf den palästinensischen Nationalismus, z. B. durch seinen politischen Ziehsohn Yasser Arafat, sowohl die Kontinuität antisemitischer Traditionen im Nahen Osten, als auch die Ubiquität des Antisemitismus unter den Bedingungen kapitalistischer Umwälzungen und Krisenerscheinungen. Heute ist das antizionistische Ressentiment gegen den „Juden unter den Staaten“ (Hans Mayer) tatsächlich globalisiert: Kaum eine größere Selbstverteidigungsaktion Israels, die nicht von antiisraelischen UN-Resolutionen begleitet wird, keine internationale Konferenz von menschenrechtsbewegten NGOs, auf der Israel als „rassistischer Apartheidstaat“ – wie auf der UNO-Konferenz gegen Rassismus in Durban 2001 – nicht verdammt wird. Vor diesem Hintergrund war, ist und bleibt es notwendig, rückhaltlos für die Existenz Israels – und dies schließt selbstverständlich die militärische Selbstverteidigung gegen den klerikalfaschistischen Terror der Palästinenser mit ein – einzutreten und es als „Lebensversicherung aller Juden auf der Welt“ (Paul Spiegel) gegen die antisemitischen Attacken, soweit möglich, zu verteidigen. Dass eine Bekämpfung des Antisemitismus nicht ohne die Solidarität mit dem zionistischen Projekt auskommen kann, ist bitterer historischer Ernst: Dank der Aktivitäten zionistischer Organisationen wie der Jugendgruppe Habonim konnten sich einige, vor allem jugendliche Jüdinnen und Juden aus Bochum Ende der 1930er Jahre nach Palästina retten. Weit über 500 Bochumer Jüdinnen und Juden blieb diese Möglichkeit versperrt, sie wurden in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern umgebracht.

Kundgebung und Demonstration
NEUER TREFFPUNKT: 13.03 2004 - 11:00 - Bochum - Planetarium (Castroperstr.)


Es rufen auf: Bündnis Solidarität mit Israel, Antideutsch-kommunistische Initiative (aki), Antifa Mülheim, Antifa[x] Recklinghausen, Georg-Weerth-Gesellschaft Köln, Redaktion t-34, K.I. Dortmund, [a:ka] Göttingen, Offene Antifa Münster (OAM)

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